Unsere Ziegen sind sog. Thüringer Waldziegen. Diese alte Rasse entstand um 1900 in Thüringen, wo zur Verbesserung der Milchleistung der dortigen Landrassen Toggenburger Ziegen aus der Schweiz eingekreuzt wurden. Thüringer Waldziegen sind heute sehr selten und stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen .

Im Gegensatz zu Hochleistungsrassen, wie z.B. der Deutschen Edelziege, gelten Thüringer Waldziegen als relativ widerstandsfähig. Sie werden als Milch- und Fleischlieferanten gehalten, eignen sich aber auch hervorragend zur Landschaftspflege und aufgrund ihres freundlichen Wesens für die reine Hobbyhaltung.

Annerose
Die Ziegen sind sehr menschenbezogen

Typische Merkmale

Thüringer Waldziegen haben ein sehr charakteristisches Aussehen, das viele Menschen an Gemsen erinnert. Ihr Fell ist hellbraun bis schokoladenfarben und entwickelt sich im Winter zu einem relativ dicken Pelz mit wärmender Unterwolle.

Diese enthält im Gegensatz zu Schafen so gut wie kein Wollfett, weswegen Ziegen Regen nicht mögen und immer einen Unterstand benötigen, der groß genug sein muss, damit auch rangniedere Tiere einen Platz darin finden.

Winterfell
Ziege "Wurmi" im Winterpelz …
Sommerfell
… und rank und schlank im Sommer

Neben der braunen bis schwarzen Grundfarbe sind die weißen Ohren und Beine (ab dem Knie) und die weißen Längsstreifen im Gesicht typisch, die vom weiß bemehlten Maul bis zu den Hörnern verlaufen. Manche Tiere haben sogenannte Glöckchen am Hals, bei denen es sich einfach um schmückende Anhängsel handelt.

Kennzeichen

Merkmale

Die weiblichen Tiere wiegen bis zu 60 Kilogramm, ausgewachsene Böcke können 80 Kilo auf die Waage bringen und verbreiten einen sehr strengen Geruch. Unsere Tiere sind kastrierte Böcke und können daher problemlos in Ortsnähe gehalten werden ;-).

Gerade für männliche Tiere, die sonst meist als Jungtiere geschlachtet werden, kann die Landschaftspflege ein lebensrettender Job sein.

Unsere Haltung ist eine reine Liebhaberhaltung und keiner Kosten-Nutzen-Rechnung verpflichtet.

Kleine Ziegen-Physiologie

Ziegen haben vier hochspezialisierte Magen-Kammern um die schwerverdauliche pflanzliche Nahrung verwerten zu können. Mithilfe von Mikro-Organismen, die in drei der vier Magen-Kammern leben, werden die Pflanzenfasern (= Zellulose) aufgespalten und in Eiweiß umgewandelt.

Ziegenmägen
Ziegen haben mehrere Mägen

Der lange Weg des Futters

Das Futter wird mit den unteren Schneidezähnen abgerupft (die oberen Schneidezähne fehlen!), grob zerkaut und eingespeichelt und gelangt zunächst in die Mägen Nr. 1 und Nr. 2, den Pansen und den Netzmagen, wo es durch durch kräftige Muskelbewegungen ordentlich durchgewalkt wird.

In den vorderen Mägen (Pansen, Netz- und Blättermagen) leben zahlreiche Mikroorganismen, die die Pflanzenfasern spalten und einen Gärungsprozess in Gang setzen, bei dem Wärme von bis zu 45 Grad freigesetzt wird.

Innere Heu-Heizung

Diese Wärme dient den Ziegen im Winter als natürliche Heizung – vorausgesetzt, sie werden mit rauhfaserreichem Futter (also kein Kraftfutter sondern Heu und Zweige) gefüttert.

Ziegen sind Wiederkäuer

Die angegorene Futtermasse wird mit einem hör- und sichtbaren Rülpser portionsweise zurück ins Maul befördert, wo sie erneut ordentlich durchgekaut und mit Speichel zu einem dünnen Brei verarbeitet wird. Wenn Pansen- und Netzmagen schließlich voll sind, gelangt dieser Brei in den Magen Nr. 3, den Blättermagen, wo die Masse eingedickt wird, indem die überschüssige Feuchtigkeit ausgepresst wird. In Magen Nr. 4, dem sog. Labmagen, wird die Nahrung dann mit Drüsensäften (Lab) chemisch aufgespalten. Durch die sauren Säfte werden hier die Mikroorganismen aus den vorangegangenen Abschnitten mitverdaut und stellen eine zusätzliche Eiweißquelle dar.

Füttern verboten!

Leider sind Ziegen unheimlich verfressen und haben keinen inneren Instinkt, der sie vor krankmachendem bzw. giftigem Futter schützt. Bitte widerstehen Sie ihren Betteleien und beachten das Futterverbot! Unsere Ziegen werden täglich versorgt und haben immer frisches Wasser, Heu, Laub und Gehölze zur Verfügung.

Füttern verboten
Bitte beachten!

Kohlehydratreiches Futter wie Brot, Getreide und zuckerhaltiges Obst enthält so gut wie keine Faserstoffe und führt dazu, dass der spezielle pH-Wert, der für das Überleben der Mikro-Organismen im Verdauungstrakt sehr wichtig ist, absinkt.

Bei einer Fehlfütterung kommt es schnell zur sogenannten Pansenazidose, einer Übersäuerung des Magens, in deren Folge zunächst die Einzeller absterben und schließlich die Ziege eingeht.
Daher bitte die Tiere auf gar keinen Fall füttern!